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History

Historische Romane sind hybride Gebilde, mehr oder weniger glücklich aus Fakten und Fiktion zusammengefügt. „Dichter, die ihre Leser sowohl belehren als auch erfreuen wollen, laufen Gefahr, sie entweder zu belehren und dafür Langeweile in Kauf zu nehmen oder aber zu erfreuen und dafür den Preis sachlicher Inkorrektheiten zu zahlen“, schrieb der Kritiker Jochen Hörisch in der Neuen Zürcher Zeitung über meinen Roman Die Maya-Priesterin. „Gößling gelingt das narrative Kunststück, beide Leistungen zugleich zu erbringen und ineinander zu weben.“

Dieses Urteil erfreut mich umso mehr, als es mir bei meinen historischen Romanen in der Hauptsache weder um die Vermittlung von Informationen über die jeweilige ferne Welt und Epoche noch um bloße Unterhaltung heutiger Leser ging. Vielmehr faszinierten mich die Welten der alten Maya ebenso wie die der Alchimisten in Renaissance und früher Neuzeit vor allem deshalb, weil ihnen eine ganz andersartige Selbst- und Welterfahrungsweise zugrunde liegt.

Das klingt kompliziert, ist aber erfreulich einfach: In Epochen und Kulturen mit „magischen“ oder „mystischen“ Weltbildern sind Innen- und Außenwelten, Traum/Fantasie und Realität auf eine Weise ineinander verwoben, die mich seit jeher lebhaft interessiert hat, wohl weil sie einer meiner eigenen bevorzugten Erfahrungsweisen ähnelt. Sowohl die Erbauer der gewaltigen Pyramidenstädte in Mittelamerika als auch die Magier und Alchimisten im vormodernen Europa zogen keine strikten Grenzen zwischen innerer und äußerer Natur, sondern gingen von vielfältigen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Hemisphären aus. Die Maya waren überragende Mathematiker und Astronomen – und verehrten in jeder Ziffer und jedem Himmelskörper eine andere Gottheit. Alchimisten wie Faust und Paracelsus erforschten die Eigenschaften von Steinen und Metallen – und arbeiteten zugleich im „Bergwerk ihres eigenen Unbewussten“, wie C.G. Jung zutreffend vermerkte.

Dem „aufgeklärten“ westlichen Denken dagegen gilt, wer nicht strikt zwischen „Innen“ und „Außen“ unterscheidet, günstigstenfalls als Poet, sonst als kindischer Träumer – der nicht selten in Verdacht gerät, psychisch gestört zu sein. An dem einen Ort in Raum und Zeit können Sie ein Seher, ein Heiliger, ein gottgesandter Bote sein – an anderen Orten dagegen laufen Sie Gefahr, mit genau den gleichen Fähigkeiten als Irrer interniert zu werden. Letztlich war es immer diese Differenz, die ich (nicht nur) in meinen „historischen“ Romanen ausloten wollte.

Dem Besonderen der magisch-mystischen Kulturen und Epochen bin ich auf diese Weise erzählend wohl ziemlich nahe gekommen; Leser, die sich bloß ein paar unterhaltsam verpackte Informationshäppchen erhofften, wurden aber durch meine narrativen Tiefenbohr-Projekte eher irritiert. Insbesondere gilt das für meinen Roman Faust, der Magier, der konsequent aus der Innenperspektive des jungen Magiers und Alchimisten Faust erzählt ist, und für Im Tempel des Regengottes, eine Art Trance-Fantasie, in der sich das romantische Denken und Empfinden des europäischen 19. Jahrhunderts und die magisch-mystische Erfahrungsweise der Maya-Welt zu einem ausweglosen Spiegellabyrinth ineinander blenden.

Faust, der Magier und Im Tempel des Regengottes halte ich für meine gelungensten Expeditionen ins (psycho-)historische Erzählen. Aber auch die leichter zugänglichen Romane Die Maya-Priesterin und Der Alchimist von Krumau kann ich Ihnen besten Gewissens empfehlen. Die Protagonisten aller vier Romane durchleiden die Geschehnisse eher passiv und fatalistisch – kein Wunder, finden sie sich doch in (Alb-)Träumen wieder, die unversehens Wirklichkeit geworden sind.


Die Maya-Priesterin: Das letzte Königreichs der Maya geht unter – mittendrin ein verbannter Pater, der im Innern einer Pyramide ein machtvolles Geheimnis entdeckt

Die Maya-Priesterin

Meine Faszination für die Maya-Kultur begann Mitte der 1990er-Jahre. Zur Vorbereitung des Sachbuchs Der heilige Kalender der Maya reiste ich damals nach Mittelamerika, besuchte berühmte und weniger bekannte Ausgrabungsstätten im Dschungel von Yucatán und Guatemala und las die Werke der großen Maya-Archäologen und Entzifferer ihrer Hieroglyphenschrift. Zur Jahrtausendwende, bevor ich Die Maya-Priesterin schrieb, unternahm ich weitere Recherchereisen u.a. nach Belize und Honduras.

Die Maya-Priesterin basiert auf wahren Begebenheiten: Ende des 17. Jahrhunderts hatten die spanischen Eroberer zwar die großen Königreiche der alten Völker – ob Azteken, Inka oder Maya – allesamt unterworfen. Doch tief im Dschungel des heutigen Guatemala, gelegen auf einer Halbinsel im Petén-See, bestand noch immer der Maya-Stadtstaat Tayasal. Die vermeintliche Ermordung eines Franziskaner-Mönchs nahmen die Spanier dann zum Anlass, um auch das letzte freie Königreich der Maya zu erobern. Doch als die Konquistadoren in Tayasal eintrafen, machten sie eine grauenvolle Entdeckung …

Der Roman wird aus der Perspektive des verbannten Paters Diego Delgado erzählt. Wegen eines geringfügigen Vergehens wird Fray Diego aus Málaga an einen einsamen Außenposten der Christenheit versetzt – in eine Missionsstation tief im Dschungel des Petén. Gleich bei seiner Ankunft in der Neuen Welt wird er mit einem so grausamen wie mysteriösen Verbrechen konfrontiert. Wenig später trifft er auf die geheimnisvolle Ixkukul – eine Priesterin des uralten Mondgöttin-Kultes, die ihn immer tiefer in den Regenwald lockt. Die versteckte Welt der Maya mit ihren beeindruckenden Bauten, erschreckenden und verwirrenden Bräuchen wird für Diego mehr und mehr zu einer Landschaft seiner verborgensten Ängste und verbotensten Begierden. Tief im Innern einer Pyramide in der alten Königstadt Tayasal stößt er schließlich auf ein Geheimnis, das nicht nur sein eigenes Leben für immer verändern wird.

„Ein ganz wunderbares Buch“, urteilte Gisbert Haefs über Die Maya-Priesterin, „sinnlich, mysteriös, grausam und bis zur letzten Zeile fesselnd.“

Anlässlich einer Yucatán-Rundreise entdeckte die Kulturjournalistin Jutta Szostak 2002 meinen Roman im Bookshop der Pyramiden-Stätte von Chichen Itzá in Mexiko. Die Folge: Für die ZDF-Aspekte-Reihe „RomanWelten“ drehte sie 2003 einen Dokumentarfilm über meine Romane aus der Welt der alten Maya. Mittlerweile war auch mein zweiter Maya-Roman, Im Tempel des Regengottes, erschienenen. Für die Dreharbeiten an den Originalschauplätzen der Romane reisten wir 14 Tage lang durch Mexiko, Guatemala und Belize. Unter dem Titel „Die Rätsel der Maya – eine Zeitreise“ wurde der Dokumentarfilm etliche Male im ZDF, bei 3sat und auf Phoenix ausgestrahlt.

Die Maya-Priesterin wurde ins Italienische und ins Tschechische übersetzt. Die Originalausgabe erschien 2001 als Hardcover bei Eichborn (damals noch ein eigenständiger Verlag) und erlebte diverse Auflagen als Heyne-Taschenbuch. Aktuell ist Die Maya-Priesterin als E-Book bei dotbooks verfügbar.
 

Eine ausgiebige Leseprobe finden Sie beispielsweise hier

E-Book
Die Maya-Priesterin. Roman
652 Seiten, € 5,99
Verlag: dotbooks 2015
ISBN: eBook 978-3-95520-855-4

Print-Originalausgabe (vergriffen)
Die Maya-Priesterin. Roman
Hardcover, Originalausgabe: Eichborn 2001
520 Seiten, € 19,90 ISBN 3-8218-0823-3

Taschenbuchausgaben: Heyne 2002, Heyne 2006
Lizenzausgaben u.a.: Italien, Tschechien


Im Tempel des Regengottes: ein Abenteuerroman, in dem der romantische Maler Robert Thompson im mittelamerikanischen Dschungel Erlösung von der europäischen Moderne sucht – und von den Nachkommen der Maya als ihr vermeintlicher Erlöser vereinnahmt wird

Im Tempel des Regengottes: ein Abenteuerroman

Im Tempel des Regengottes. Roman

Mittelamerika, um 1870. Seit Jahrhunderten erdulden die Maya-Völker ihre Unterdrückung durch die weißen Eroberer. Tief im Dschungel, in ihren gigantischen Tempelstädten, erwarten sie die Ankunft ihres Befreiers, der in ihrer Überlieferung angekündigt und in uralten Kunstwerken abgebildet ist. Der junge englische Künstler und Abenteurer Robert Thompson reist auf den Spuren seines Vorbilds, des berühmten romantischen Malers Frederic Catherwood, nach Mittelamerika. Dort gerät er in die Fänge skrupelloser Schatzjäger, die ihn dazu verleiten, mit ihnen den sagenhaften Goldschatz aus der untergangenen Mayastadt Tayasal zu suchen. Als die Priester und Seher der Maya in Robert ihren prophezeiten Befreier zu erkennen glauben, gerät er zwischen die Fronten eines kriegerischen Konflikts, in dem sich seine romantischen Untergangssehnsüchte auf grausame Weise zu erfüllen drohen …

Dieser Roman, ursprünglich mit dem Untertitel Ein schwarzromantisches Abenteuer erschienen, hat mit dem historischen Romangenre nur ein paar äußerliche Gemeinsamkeiten. Er spielt zwar in einer vergangenen Epoche und an einem exotischen Schauplatz, aber die Hauptperspektivfigur, der romantische Maler Robert Thompson, überblendet alles Gesehene und Erlebte so beharrlich mit subjektiven Angst- und Sehnsuchtsbildern, dass Leser, die sich herkömmliches Infotainment erhoffen, kaum auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch „Traum und Wirklichkeit verwoben mag“, heißt es in einer Rezension, „dem bietet das Buch perfekte Unterhaltung.“ Und weit mehr als das.

Kurz zu den Hintergründen des Romans: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand in Europa die romantische Kunstrichtung – ein Aufbäumen gegen das technisch-naturwissenschaftliche Zeitalter, das bereits begonnen hatte, die Welt unwiederbringlich zu verändern. Romantische Maler, Musiker und Schriftsteller schufen empfindsame „Seelenlandschaften“, in denen die Gegenstände und Gegebenheiten mit subjektiven Projektionen überformt wurden. Währenddessen wurde die reale europäische Landschaft durch die industrielle Revolution und Erfindungen wie Dampfmaschinen und elektrisches Licht, Automobil oder Fotografie von Grund auf umgewälzt.

Umso mehr begeisterten sich die Romantiker für vormoderne Weltbilder und Gesellschaftsformen, in denen auf mythisch-mystische Weise alles und jedes bedeutungsvoll miteinander verwoben schien. Besonders faszinierten sie die geheimnisvollen Pyramidenwelten, die zu jener Zeit in Ägypten und Mittelamerika von Archäologen entdeckt und erforscht wurden. Der US-amerikanische Autor und Forschungsreisende John Lloyd Stephens und der britische Maler und Archäologe Frederic Catherwood begeisterten die abendländische Öffentlichkeit mit ihren Abenteuerberichten aus dem Dschungel, wo sie gigantische Ruinenstädte und Tempelanlagen aus den Hochzeiten der Maya-Kultur entdeckten. Während Stephens seine Leserschaft mit dramatischen Schilderungen in Atem hielt, zeichnete und malte Catherwood unter extremen Bedingungen monumentale Stadtlandschaften, die romantischen Sehnsuchtsträumen zu entstammen schienen.

Die Entdeckungen von Stephens und Catherwood und etlichen weiteren Archäologen und Abenteurern entfachten insbesondere in Großbritannien eine „romantische Ruinenschwärmerei“, die – wie die romantische Bewegung insgesamt – keineswegs frei von morbiden Untertönen war. Ganz im Gegenteil, im Zeitalter der Tuberkulose und Spanischen Grippe, die Zehntausende dahinraffte, war romantischer Überschwang oftmals düster eingefärbt. Die Abenteurer strebten nach Befreiung, auch aus dem Korsett viktorianischer Prüderie, doch Liebe und Tod gingen Hand in Hand. Romeo und Julia, die sich auf dem Totenbett in endgültiger Liebe vereinigen, waren das Traumpaar der Stunde. Die wahrhafte Befreiung von Fantasie, Gefühle, Seele schien erst dadurch möglich, dass man sich von seinem Körper befreite, also freiwillig in den Tod ging.

Für solche Untergangssehnsucht schienen die monumentalen Ruinenstädte in den Regenwäldern ideale Projektionsräume zu sein. Doch mit den realen Menschen, die um 1870 im Dschungel Mexikos und Guatemalas unter dürftigen Bedingungen lebten, hatten diese romantischen Verklärungen wenig zu tun. Die Nachkommen der alten Maya-Elite – Fürsten, Priester und Krieger, Schriftgelehrte, Astronomen und Baumeister – hielten an ihrer Überlieferung fest, zu der ein Denken in Zeitzyklen zählte. In ihrem Verständnis floss die Zeit nicht linear, sondern im Kreis. Die Macht und Pracht der alten Maya-Reiche lag hinter und zugleich vor ihnen. Was vergangen war, war nicht für immer verloren, sondern stand aufs Neue bevor. Wie groß der Zeitkreis auch sein mochte, am Ende gelangte man an den Ausgangspunkt zurück, und das hieß: Die Maya würden wieder herrschen, in monumentalen Städten und Palästen leben – und die „weißen Eindringlinge“, die Spanier und ihre Nachkommen, würden ins Meer zurückgetrieben werden, über das sie mit ihren „schwimmenden Häusern“ gekommen waren.

Im mythisch-zyklischen Denken spielen Sehertum und Prophetie tragende Rollen. Die Zyklen des alten Maya-Kalenders griffen zwar ineinander wie Zahnräder in einem Uhrwerk, aber damit der Neubeginn glückte, mussten die Priester und Gelehrten die Zeichen erkennen, die vorgeschriebenen Handlungen ausführen. Das sicherste Zeichen war die Wiederkehr eines Herrschers oder sonstigen Mächtigen aus jenem Zeitalter, das aufs Neue anbrechen sollte, oder das Erscheinen eines Erlösers, der von der Überlieferung angekündigt worden war. Dabei durfte kein Irrtum unterlaufen, doch da die alten Maya nicht nur schriftkundig, sondern auch herausragende Bildhauer waren, schien die Gefahr gering, dass sie den falschen Befreier auf den Thron heben würden. Schließlich gab es steinerne Bildnisse von diesem herbeigesehnten Erlöser, der den Aufstand gegen die weißen Eroberer anführen sollte. Man brauchte also nur diese Statuen zum Vergleich heranzuziehen, dann war ein Irrtum ausgeschlossen. Jedenfalls so gut wie.

Dieses mythische Skript aus der Maya-Überlieferung, das die Erwartungen und Handlungen der Nachkommen steuerte, könnte genauso gut aus der Fantasie eines romantischen Schriftstellers jener Zeit hervorgegangen sein. Robert Thompson, der in meinem Roman auf Catherwoods Spuren nach Mittelamerika reist, hält auch lange an der stimulierenden Illusion fest, dass er sich durch eine romantische Traum- oder Fantasiewelt bewege. Um den schönen Schein nicht zu gefährden, vermeidet er es absichtlich, allzu genau zwischen Wunschbild und Wirklichkeit zu unterscheiden. Als ihm schließlich klar wird, dass er sich in keinem Tagtraum befindet, den er mit einem Fingerschnipsen beenden könnte, ist es für seinen Ausstieg zu spät:

„Wie er seine Verfolger so beobachtete, halsbrecherisch aus dem Kutschfenster hängend, wurde ihm mit einem einzigen, ernüchternden Schlag bewusst, dass dies alles, die Schüsse und das Blut im Park des Gouverneurs, ihre Flucht, der Dschungel, die heranpreschenden Soldaten, kein Gaukelspiel seiner Phantasie, sondern unentrinnbare Wirklichkeit war.“

Eine Leseprobe finden Sie beispielsweise hier
 

E-Book
Im Tempel des Regengottes. Roman
548 S., € 5,99
dotbooks 2015
ISBN 978-3-95520-857-8

Print-Originalausgabe (vergriffen)
Im Tempel des Regengottes. Ein schwarzromantisches Abenteuer
Hardcover, Originalausgabe: Eichborn 2003
464 Seiten, € 19,90
ISBN 3821808780

Taschenbuchausgabe (vergriffen): Heyne 2004


Der Alchimist von Krumau: Anfang des 17. Jahrhunderts kämpft Bastardsohn Don Julius um die Anerkennung durch seinen Vater, Kaiser Rudolf II. – ein Kampf mit unerhörten Mitteln und grauenvollen Folgen

Der Alchimist von Krumau

Der Alchimist von Krumau. Roman

Prag, im Jahr 1606: Der junge Don Julius, unehelicher Sohn des Habsburger-Kaisers Rudolf II. und dessen Maitresse Katharina, leidet darunter, dass ihm als „Bastard“ der Thron seines Vaters für immer verwehrt sein soll. Nachdem er durch eine Intrige in die Provinz verbannt worden ist, will er mit allen Mitteln die väterliche Anerkennung und seine Rückkehr nach Prag erzwingen. Da der Kaiser eine Schwäche für die Schwarzkunst hat, beschließt Julius, ihn auf dem Gebiet der Alchimie herauszufordern und zu überflügeln. Um dieses Ziel zu erreichen, begibt er sich in die Hände skrupelloser Dunkelmänner, die in den Gewölben seiner Burg in Böhmisch-Krumau einen grausames Plan umsetzen. Wird es der schönen Baderin Marketa, in die sich Julius verliebt hat, gelingen, ihm die Augen zu öffnen und seinen krankhaften Ehrgeiz zu besänftigen?

Kaiser Rudolf II. (1552-1612) wird in den Geschichtsbüchern meist der „Alchimist auf dem Kaiserthron“ genannt. Er förderte nicht nur die schönen Künste und häufte Kunstwerke und Kleinodien in Palästen und Wunderkammern an, sondern begründete überdies eine „alchimistische Akademie“, in der er die bekanntesten Astrologen, Magier und Alchimisten seiner Zeit um sich scharte. Auch Rudolf selbst versuchte sich in den geheimen Künsten der Verwandlung unedler Metalle in Gold, der Suche nach dem „Stein der Weisen“ und der Erschaffung künstlicher Geschöpfe, der berühmt-berüchtigten Homunculi. Doch nicht nur seine Leidenschaft für obskure Wissenschaften, sondern auch ererbter Wahnsinn verdunkelte zunehmend seinen Geist – die „Habsburger Umnachtung“, die er wohl auch an seinen Sohn Julius weitergegeben hatte.

Die Alchimie allerdings war der wahre Wahn jener Zeit – und zugleich weit mehr als das. Mich hat diese abgründige Pseudo-Wissenschaft lange Zeit fasziniert, da in ihr die Beziehungen zwischen Subjekt und Objektwelt, magischem und logischem Denken verschlungen sind wie die Wege und Irrwege in einem unergründlichen Labyrinth. Alchimistische Anweisungen und Experimente waren wunderliche Mischungen aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, magischen Formeln und mythisch-traumhafter Symbolik, durch die am Ende niemand so reich und mächtig wurde, wie es die Propagandisten dieser Zunft tollkühn versprochen hatten – außer den Scharlatanen, die die von ihnen angerichtete Verwirrung für ihre Zwecke zu nutzen wussten. Jurij Hezilow, der vermeintliche „kaiserliche Puppenmacher“ in meinem Roman, ist einer von ihnen.

Zur Vorbereitung des Romans habe ich mich intensiv mit Magie und Alchimie in Mittelalter, Renaissance und früher Neuzeit beschäftigt und zudem die Lebensumstände und Gebräuche zu Zeiten Kaiser Rudolfs II. studiert. Bei zahlreichen Prag-Reisen nahm ich den Hradschin, die Kaiserburg, und die krummen Altstadtgässchen in Augenschein; in Cesky Krumlov die kaum weniger beeindruckende Anlage von Burg Rosenberg mit ihren unterirdischen Gewölben, in denen die finstersten Kapitel meines Romans spielen.

Der Alchimist von Krumau – als Taschenbuch unter dem Titel Der Alchimist des Kaisers – ist ein psychohistorischer Roman im mehrfachen Wortsinn: Er handelt von einem dunklen, weithin verkannten und vergessenen Kapitel europäischer Seelen- und Geistesgeschichte; er wird überwiegend aus der Innenperspektive meiner Romanpersonen erzählt, deren Sprech-, Denk- und Empfindungsweise ich möglichst zeittypisch gestaltet habe; und er spielt in einer Welt – der Burg und Grafschaft Krumau –, die mitsamt allem Inventar und handelnden Personen psychische Innen- und reale Außenwelt zugleich ist. Was das Leseverständnis zugegebenermaßen nicht eben erleichtert, aber – hat man einmal den Schlüssel zur Burg gefunden – ein vielschichtiges Lektüreerlebnis ermöglicht.

Der Roman ist zuerst 2004 als Hardcover bei Eichborn erschienen, gefolgt von einer Taschenbuchausgabe im Aufbau-Verlag, und wurde u.a. ins Tschechische und Italienische übersetzt. Die deutschen Printausgaben sind vergriffen; bei dotbooks ist Der Alchimist von Krumau als E-Book verfügbar.

Eine Leseprobe gibt es zum Beispiel hier


Printausgaben (vergriffen)
Der Alchimist von Krumau. Roman
Hardcover, Originalausgabe: Eichborn 2004
440 Seiten, € 22,90
ISBN 3821809442

Der Alchimist des Kaisers. Roman.
Tb.-Ausgabe: Aufbau 2007
ca. 432 Seiten, € 8,95
ISBN 978-3-7466-2325-2

E-Book
Der Alchimist von Krumau. Roman
502 S., 6,99 €
dotbooks 2015
ISBN 978-3-95824-054-4


Faust, der Magier – die Geschichte des berühmtesten Zauberers und Schwarzkünstlers, der vom Teufel (oder von einem Mönch) gezeugt wurde und sein Leben lang die Dämonen in seinem Innern zu zähmen versuchte

Faust, der Magier

Im Keller des Klosters Maulbronn wird die Magd Maria von einem Unbekannten geschändet und geschwängert – vom Teufel, munkeln die Mönche, aber vielleicht war es auch einer von ihnen, womöglich sogar ihr Abt Johannes Burrus. Jedenfalls hat der Klostervorsteher zeitlebens ein Auge auf den vaterlos, in ärmsten Verhältnissen aufwachsenden Knaben, der im Jahr des Herrn 1480 auf den Namen Georg Johannes Faust getauft wird. Der kleine Georg entwickelt wundersame Fähigkeiten, die ihm früh den Ruf eintragen, übernatürliche Kräfte zu besitzen – und die die Begierde von Fürsten und Äbten wecken. Faust selbst hat zeitlebens gute Gründe, an seine halbteuflische Herkunft zu glauben: Er fühlt sich von Dämonen besessen und gequält – und versucht verzweifelt, die Kontrolle über sich selbst zu erlangen und zugleich die Befehle der mächtigen Herren zu erfüllen, die ihn mit Schande und Tod bedrohen, falls er ihnen ihre Schatzkammern nicht mit alchimistisch erschaffenem Gold füllt …

Faust hat viele Gesichter: Er war Magier und Alchimist, Gelehrter und Scharlatan – und ist bis heute ein Phantom. Über den realen Faust weiß man trotz aller Forschung wenig. Doch als von Legenden und Gerüchten umwitterte Projektionsfigur hat er seit dem 16. Jahrhundert eine Vielzahl von Künstlern fasziniert. Er war ein Zeitgenosse Albrecht Dürers und Martin Luthers und gehörte wie sie halb noch dem Mittelalter, halb schon der Neuzeit an. Der Riss zwischen magisch-mystischem und kausal-naturwissenschaftlichem Denken lief mitten durch ihn und seine Epoche hindurch. Das macht ihn zugleich zu einer zeitlosen Figur, deren innere Zerrissenheit auch wir Heutigen noch empfinden können. Denn wir alle bestehen aus diesen beiden Hälften, die so wenig zusammenzupassen scheinen – Fantasie und Verstand –, weil sie uns so schwer vereinbare Informationen über uns selbst und unsere Welt vermitteln. Diese innere Entzweiung empfinden die meisten modernen Menschen nicht mehr mit der schmerzlichen Schärfe, mit der sie an der Schwelle zur Neuzeit vielfach gefühlt und reflektiert wurde. Die „Aufklärer“ haben uns gelehrt, nur dasjenige als wirklich und wahr anzusehen, was sich mit Logik, Kausalität, Naturgesetzen vereinbaren lässt. Alles andere seien Ausgeburten der Einbildungskraft, Trugbilder der Fantasie. Damit wurden die Götter vom Himmel gestürzt, die Geister und Dämonen aus der Natur verjagt und in die Psyche der Menschen verbannt, wie C.G. Jung zutreffend vermerkte.

Mein Roman Faust, der Magier ist in gewisser Weise ein Solitär. So unnachgiebig wurde wohl selten mit erzählerischen Mitteln – und erst recht im meist populärliterarischen historischen Genre – den Abgründigkeiten magischen Denkens und dämonischer Besessenheit nachgespürt. Das mag nach Selbstlob des Autors klingen, gibt aber nur wieder, was Leser und Rezensenten mehr oder weniger einhellig über meinen Faust-Roman schrieben. Hier ein paar Beispiele:

Faust, der Magier ist ein besonderes Werk, das garantiert nicht für jedermann geeignet ist, denn man muss sich ganz auf die geniale Sprache einlassen und nicht davor zurückschrecken, in die Welt des Mittelalters einzutauchen.“ (daswissensblog.de) – „Die schwarze Magie verleiht dem Roman einen Hauch von Mystik. Aber vor allem die Darstellung des Faust als Mensch, der sein Leben lang an allen Fronten gegen Hass und Bosheit kämpfen muss, hat mir gut gefallen. Im Hinblick auf diese gelungene Figur und die ungewöhnliche sprachliche Gestaltung seien die gelegentlichen Längen im Handlungsverlauf gern verziehen. (buchwurm.info) – „Faust, der Magier ist ein opulenter historischer Roman. Der Autor hat die wenigen historisch überlieferten Kenntnisse über Faust mit viel künstlerischem Können und Fantasie zu einer Geschichte verwoben.
(…) Georg Johannes Faust und vor allem auch die Zeit, in der er lebte, werden lebendig. Der Autor erzählt sehr detailreich und überaus glaubhaft. Das Buch mit seinen albtraumdurchsetzten und von Fausts Visionen geprägten Passagen ist ausgesprochen aufwühlend und wird bei vielen Lesern sicher sehr widersprüchliche Gefühle auslösen. Für Zartbesaitete ist es nicht zu empfehlen.“ (leselupe.de) – „Die Beschreibungen und Formulierungen Gößlings sind nicht unbedingt etwas für zart besaitete Gemüter. Wie es im Mittelalter durchaus üblich war, werden manche Dinge mit teilweise drastischen Worten beim Namen genannt. Und auch die Schilderungen der ‚Kochkünste‘ in Fausts Alchemieküche sind bestimmt nicht jedermanns Geschmack, zeigen sie doch die Sprache und die Gedanken der damaligen Zeit direkt auf und schauen nicht durch die rosa Brille. Wer sich aber auf dieses Leseabenteuer einlässt, wird ein Buch vorfinden, wie er es selten in den Händen gehabt hat. Ein teuflisch guter Roman, der für manch einen vielleicht Grenzen überschreitet, damit aber ein einmaliges und spannendes Leseerlebnis garantiert.“ (histo-couch.de

Eine Leseprobe finden Sie beispielsweise hier.


Printausgaben:

Originalausgabe: Rütten & Loening 2007 (vergriffen)
Hardcover, 607 Seiten
19,95 Euro
ISBN 3352007454

Taschenbuchausgabe bei Aufbau

Hörbuch (MP3 in voller Länge!) bei Radioropa

E-Book
731 S., € 5,99
dotbooks 2015
ISBN eBook 978-3-95824-186-2
 

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Andreas Gößling | Autor
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